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Der Kulturverein kämpft für eine Zukunft

Die Auflagen des Stadtrates zum «Lärmproblem» stellen den Kulturverein vor existenzielle Fragen. An einer ausserordentlichen GV diskutierten die Mitglieder am Donnerstag über mögliche Lösungen und stimmten über das weitere Vorgehen ab. Geschlossener hätten die Resultate nicht ausfallen können.

Rund drei Jahre dauern die Abklärungen und Verhandlungen über die Lärmimmissionen aus dem Ochsensaal auf die Nachbarschaft bereits. Während dem Verfahren hat der Kulturverein bereits aufwändige Massnahmen zur Schalldämmung im Saal umgesetzt, einen Ordnungsdienst aufgezogen und seine Veranstaltungen eingeschränkt. Im letzten Sommer übergab man dem Stadtrat eine innert zwei Wochen erstellte Petition mit über 3’500 Unterschriften (davon über 800 aus Zofingen) mit dem Begehren, den Kulturbetrieb im bisherigen Rahmen beizubehalten.

Am 8. Februar dieses Jahres übergab der Stadtrat den Verantwortlichen des Kulturvereins OX. Kultur im Ochsen die Resultate von verdeckt durchgeführten Lärmmessungen. Diese zeigten Überschreitungen der vorgeschriebenen Maximalwerte sowohl im Saal als auch bei den Nachbarn. Gleichzeitig eröffnete der Stadtrat eine Verfügung, mit welcher die Randbedingungen für den künftigen Kulturbetrieb definiert werden: unter anderem darf der Stundenmittelwert von maximal 93 Dezibel (dB) im Saal nicht überschritten und pro Monat dürfen nur noch an zwei Wochenenden Anlässe mit elektronisch verstärkter Musik durchgeführt werden.

Als Sofortmassnahme sagte der Vorstand bereits letzte Woche die meisten Konzertanlässe bis Ende der Saison ab und berief eine ausserordentliche GV ein.

Abstimmung an der GV
Geschlossene Abstimmungsresultate an der ausserordendlichen GV

Hat junge Kultur in der Altstadt noch Platz?


Um die in der Verfügung festgelegten Lärmgrenzwerte im Ochsensaal einzuhalten, müsste der Kulturbetrieb sein Programm völlig verändern. Weil aufgrund des Denkmalschutzes im Saal kaum wirksame bauliche Massnahmen möglich sind, müsste nicht nur auf Metal-Anlässe sondern auf alle Rock-, Blues- und Funkkonzerte - also auf rund 80% der bisher durchgeführten Konzerte - verzichtet werden.

An der ausserordentlichen GV am Donnerstag Abend wurde ausführlich diskutiert, ob ein Standortwechsel in Frage käme oder eine radikale Programmänderung vollzogen werden soll. Die GV entschied sich einstimmig gegen solche Massnahmen. OX. Kultur im Ochsen ist seit mehr als 20 Jahren in der Altstadt fest verwurzelt. Der Treffpunkt für die Jugendlichen soll nicht in das Industriegebiet verbannt werden. Auch die gegenseitige Unterstützung und Verbundenheit mit dem Restaurant Ochsen, der Bar und der Dachgenossenschaft sprechen gegen einen Standortwechsel. Die Folgen wären für alle Beteiligten fatal. Vor allem für ein junges Publikum hätte dies einen enormen Attraktivitätsverlust der Zofinger Altstadt zur Folge. Die GV beauftragte den Vorstand, sich dafür einzusetzen, dass der Ochsensaal weiterhin für Veranstaltungen und als Vereinslokal genutzt werden kann.

Genauso wie sein Standort gehören auch die Rock-Konzerte zum OX. Seit jeher bietet der Verein eine Bühne für Kulturschaffende und dem Publikum damit ein breites Spektrum. Neben Highlights wie Stiller Has, Gigi Motto oder den Bluesaholics sollen weiterhin auch für einheimische Nachwuchstalente Auftrittsmöglichkeiten in Zofingen erhalten bleiben. An der GV fiel einstimmig der Beschluss dafür zu kämpfen, dass weiterhin Rockkonzerte veranstaltet werden können. Dabei soll auch der Metal-Kultur von Zeit zu Zeit eine Bühne gewährt werden.

Unter anderem aus diesen Gründen beschloss die GV einstimmig, gegen die Verfügung des Stadtrates vom 07.02.2005 Beschwerde einzureichen. Der Vorstand und Verein werden alles daran setzen, eine für alle beteiligten Parteien akzeptable Lösung zu finden. OX. Kultur im Ochsen ist nicht auf Konfrontation, sondern auf Kommunikation aus!

Entsprechend werden als erster Schritt folgende Sofortmassnahmen umgesetzt:

• Die vorgeschriebenen 93 dB werden strikte eingehalten, die meisten Konzerte der Saison müssen deswegen gestrichen werden. Gemäss Artikel 4 der Schall- und Laserverordnung wird der Verein aber für die kommende Saison um eine Erleichterung für eine Anzahl Live-Konzerte ersuchen (Maximalwert 100 dB).

• An Stelle der abgesagten Konzerte werden Alternativanlässe (Bsp.: Podiumsdiskussionen) durchgeführt, um den Kulturbetrieb weiterhin aufrecht zu erhalten.

• Der Kulturverein erwirbt ein dB-Messgerät zur fixen Installation

• Der Kulturverein wird einen Akkustiker und einen Fachmann der Bauverwaltung hinzuziehen um weitere mögliche Schallschutzmassnahmen zu besprechen. Denkbar sind auch vom Verein finanzierte Schallschutzfenster für die betroffenen Nachbarn.



Kulturpolitische Diskussion nötig

In letzter Zeit erschien OX. Kultur im Ochsen durch die „Lärmdiskussion“ in der Öffentlichkeit in einem falschen Licht. Eine vielfältige Kultur, die seit 1982 das Markenzeichen des Vereins ist, sowie die Leistungen im Bereich der Jugendarbeit gingen in der bisherigen Diskussion unter. Der Kulturverein wird versuchen, dieses Bild zu korrigieren und häufiger und breiter über seine Aktivitäten und Programme informieren.

Ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn ist allen Anwesenden ein Anliegen, es bedingt aber auch eine lösungs- und kompromissorientierte Diskussionsbereitschaft von allen Seiten. OX. Kultur im Ochsen ist dazu bereit! Aus der Versammlung wurde auch der Wunsch an den Stadtrat geäussert, die Lösungssuche zu unterstützen und die Gespräche mit den Nachbarn zu vermitteln.

Der Grossaufmarsch von über 40 Vereinsmitgliedern an der ausserordentlichen GV, die sachliche Diskussion mit einstimmigen Entscheiden, der klare Auftrag zur Lösungssuche sowie die Gesprächs- und Kompromissbereitschaft lassen Hoffnung aufkommen. Der Stellenwert des Ochsen darf nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Lärms beurteilt werden. Letztlich steht für die Stadt eine grundsätzliche kulturpolitische Frage auf dem Spiel. Der OX. Kultur im Ochsen kämpft dafür, weiterzuleben!


Download Communique 25.02.2005
Download Verfuegung Stadt 07.02.2005

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