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Der Gasthof Zum Goldenen Ochsen


Am 13. Februar 1982 fand das Aufrichtefest im Ochsen statt. Das Haus war noch im Rohbau, die Küche noch nicht funktionsbereit. Die Beizengruppe, die sich mittlerweile auch schon gebildet hatte, kochte im Höfli in einem Waschzuber eine Minestrone mit heissen Würstchen. Im Ochsensaal spielten am Abend «Cool Wave», «Blues Company» und «Jazz Four».

goldenerochsenNächster Höhepunkt war der 17. April 82: Die Eröffnungsfeier der Beiz. Die Minestrone vom Februar wurde ergänzt durch Lauchwähe mit Speck, Aelplermaccaroni und indischem Rindscurry und um Mitternacht gab es die ersten Chnoblibrote in der Geschichte der Ochsenbeiz. Zwei Wochen später fand die erste Generalversammlung der Dachgenoss-enschaft statt. Haupttraktandum: der Kauf der Liegenschaft «Zum Goldenen Ochsen». Das Haus ist mehr oder weniger fertig reno-viert, die Beiz läuft, im ersten OG ist eine Wohnung an Mitglieder der Beizengruppe vermietet, im 2. OG zwei weitere Wohnungen an eine Behindertengruppe und deren Betreuer. Die drei restlichen Wohnungen werden demnächst von Familien bezogen, in den ehemaligen Stallungen ist der Gmüeschratte eingezogen.

Es wird diskutiert, gestritten, geliebt

Ueber das Schicksal des Tanzsaales ist man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Klaren. Seit dieser Zeit also ist der Ochsen belebt. Es wird getanzt, gekocht, gezecht, es wird diskutiert, gestritten, geliebt. Es gibt Höhepunkte und Tiefgänge, Ereignisse, die ihre Spuren hinterlassen: Mieterinnen und Mieter der ersten Stunde ziehen aus, neue kommen nach, die Behindertenwohngruppe wird aufgelöst, das Beizen-Säli wird zur Bar, der Gmüeschratte schliesst nach einer wechselvollen Geschichte seine Tore, ihm folgt ein Keramikatelier, der alte Tanzsaal wird gründlich aufpoliert und restauriert.

«Zurück ins Private»

Diese Zeit ist nicht nur durch hausinterne Veränderungen geprägt, unübersehbare Spuren hinterlassen auch die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der späten Achziger und vor allem der Neunzigerjahre. Die Tendenz «zurück ins Private» macht sich einerseits finanziell, andererseits ideell bemerkbar: die Zahl der Genossen-schafterInnen fällt von ursprünglich 350 auf die heutigen 230 zurück, Darlehen müssen zurückbezahlt werden, was den finanziellen Spielraum der Dachgenossenschaft empfindlich einschränkt, gleichzeitig verringert sich das Interesse an Freiwilligenarbeit. Es wird immer schwieriger, neue Vorstandsmitglieder zu finden, die bereit sind, die Idee des Ochsen zu unterstützen. Und immer wieder mal kriselt es in der Beiz. Umsatzeinbussen, starker Wechsel beim Personal.

Konstruktive Diskussionen

Die jüngste Vergangenheit im Hause Ochsen war stark geprägt von Auseinandersetzungen, aber auch konstruktiven Diskussionen, und dem starken Willen der verschiedenen Parteien, die beste Lösung der Probleme zu finden. Man muss aber auch ausdrücklich betonen, dass man sich immer wieder auf einer Ebene gefunden hat, basierend auf dem gemeinsamen Interesse und dem Bedürfnis, den Ochsen zu erhalten. Aus diesen Auseinandersetzungen resultierte denn auch der Entscheid des Dachvorstandes, der Beizengenossenschaft zu kündigen. Neue Beizer wurden gesucht, wobei die Form der Genossenschaft nie ausgeschlossen wurde.

Interesse soll wieder wachsen

Nach solchen Irrungen und Wirrungen hoffen wir nun auf ruhigere Zeiten und wünschen dem jetzigen Beizenpächter François Baeriswyl, aber auch Ursula Laustela vom Keramikatelier und natürlich OX. Kultur im Ochsen viel Erfolg und alles Gute. Wenn der Dachvorstand einen Wunsch für die Zukunft hat, ist es wohl der, dass das allgemeine Interesse am Ochsen, sowohl ideell als auch finanziell, wieder wachse, auf dass die Idee der Gründungsversammlung von 1981 genährt werde und erhalten bleibe.
(Dachgenossenschaft Ochsen)

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